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10. Emotionale Dysregulation / Emotionssymptome bei AD(H)S

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10. Emotionale Dysregulation / Emotionssymptome bei AD(H)S

Emotionale Dysregulation ist ein originäres Symptom von AD(H)S.123456789101112

Barkley bezeichnet dies als Deficient emotional self-regulation (DESR).2

Originär meint, dass AD(H)S das Symptom unmittelbar und direkt auslösen kann. Nicht gemeint ist, dass das Symptom ausschließlich / exklusiv bei AD(H)S auftritt. Emotionale Dysregulation kann also originär aus AD(H)S resultieren, kann aber auch durch andere Störungsbilder hervorgerufen werden.

Eine Studie fand einen Zusammenhang zwischen Hyperaktivität/Impulsivität und emotionaler Dysregulation, nicht aber zwischen Unaufmerksamkeit und emotionaler Dysregulation.10 Diese Studie berichtete weiter, dass Defizite des Arbeitsgedächtnisses zu emotionaler Dysregulation beitragen. Dies deckt sich nicht ohne weiteres mit den Daten unsere ADxS-Symptomtests (Stand Juni 2020, n = 1889). Nach diesem korreliert emotionale Dysregulation eher mit Aufmerksamkeitsproblemen (Gesamt 0,57: Taskwechselprobleme 0,46, Konzentrationsprobleme 0,63, Ablenkbarkeit 0,61) als mit Hyperaktivität (0,49). Impulsivität (0,57) korrelierte gleich stark wie Aufmerksamkeitsprobleme. Die stärkste Korrelation fanden wir zu Ungeduld (0,79) und Innerer Unruhe (0,76). Organisationsprobleme als ein Element von Arbeitsgedächtnisproblemen korrelierten mit 0,56. Insgesamt korrelierte emotionale Dysregulation stärker mit ADHS (0,69) als mit ADS (0,40).

10.1. Dysphorie bei Inaktivität

Siehe hierzu Dysphorie bei Inaktivität (passivitätsinduzierte Stimmungstiefs, abzugrenzen von Depression) unter Antriebsprobleme.

10.2. Stimmungsschwankungen

Häufige Schwankungen zwischen normaler Stimmung, Traurigkeit und leichter Aufregung - und wieder zurück.13
Zeitlich begrenzte, jedoch häufig auftretende Stimmungseinbrüche sind eine typische Folge einer Inaktivität (siehe hierzu unter Dysphorie bei Inaktivität). Zwar ist eine Dysphorie gegenüber einer Depression durch schwächere Intensität gekennzeichnet; da die AD(H)S-typische Dysphorie jedoch nur bei Inaktivität auftritt, bewirkt dies häufige Stimmungswechsel, da jede Inaktivitätsphase eine Stimmungsveränderung in Richtung leichter Depression bewirkt und jede daraus neu begonnene Aktivität die Stimmung wieder aus der Dysphorie heraus anhebt.

AD(H)S-Betroffene berichten häufig, dass sie intensivere Emotionen und Stimmungen haben als ihre Umgebung und dass diese wesentlich schneller wechseln. Dies betrifft nicht nur Stimmungseinbrüche, sondern auch Stimmungshochs.1415

Die Stimmung von AD(H)S-Betroffenen scheint durch das unmittelbare momentane Erleben überdurchschnittlich beeinflussbar zu sein, also eher auf kürzere Zeitabschnitte zu referieren als bei Nichtbetroffenen. Dies trifft übrigens auch für Borderline-Betroffene zu. Bei AD(H)S ist häufig die Zeitwahrnehmung verändert.

10.2.1. Stimmungsschwankungen als Stresssymptome

Stimmungsschwankungen sind als Stresssymptome bekannt:

  • Häufige Traurigkeit,16 häufiges deprimiert sein, Depressionen.17181918
  • Verzweiflung20
    • Verzweiflung ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.21

10.3. Reizbarkeit und Aggression

Affektdurchbrüche / Reizbarkeit / Gereiztheit / Wutausbrüche können als momentane, situative Erscheinungsform von Aggression im weiteren Sinne betrachtet werden. Aggression im engeren Sinne kann zugleich als eine intensivere Variante von Affektdurchbrüchen / Reizbarkeit / Gereiztheit / Wutausbrüchen bezeichnet werden.
Eine enge Verwandtschaft besteht mit Impulsivität. Affektdurchbrüche sind einerseits durch Aggression und andererseits durch einen impulsiven (ungebremsten) Ausbruch derselben gekennzeichnet.

Zu den neurophysiologischen Korrelaten und Hintergründen von Aggression und deren Unterscheidung in heiße und kalte Aggression siehe unter Neurophysiologische Korrelate von Aggression.

10.3.1. Reizbarkeit / Affektdurchbrüche

10.3.1.1. Reizbarkeit / Affektdurchbrüche als AD(H)S-Symptom

Reizbarkeit ist bei AD(H)S ein häufiges (komorbides) Symptom.1122 Eine andere treffende Beschreibung lautet “Ausgeprägte Reizbarkeit mit häufigen, aber kurzzeitigen Wutausbrüchen”.13

Diese Symptome treten insbesondere beim ADHS-Subtyp und beim Mischtyp auf.

  • Wutausbrüche
    meist kurz und heftig, nach 5 Minuten ist alles vorbei
  • emotionale Kurzzeit-Intensivreaktionen
  • Zusammenhang mit ODD-Tendenzen?
10.3.1.2. Reizbarkeit / Affektdurchbrüche als Stresssymptom

Reizbarkeit ist ein häufiges Symptom bei Stress,2324 ebenso Ärger und Wut.24

Reizbarkeit ist ein typisches Symptome für einen drohenden Burnout.25

10.3.2. Aggression

10.3.2.1. Aggression als AD(H)S-Symptom

Aggressionen können als Äußerungsform von Stress betrachtet werden (Nachweise dazu im folgenden Absatz). Es handelt sich jedoch um ein Stresssymptom, das nicht alle Menschen gleichermaßen ausprägen. Wir gehen davon aus, dass sich Menschen nach ihrer phänotypischen Stressäußerungsreaktion unterscheiden, die externalisierend sein kann (Aggression, Wut, motorische Hyperaktivität) – wobei die Reaktionen externalisierend (ADHS-/Mischtyp = fight) oder internalisierend sein kann (ADS-Subtyp = flight/freeze). Mit internalisierend ist an dieser Stelle nicht ein psychoanalytisches Konzept gemeint, sondern dass Stress wesentlich weniger nach außen ausagiert wird. Die hier gemeinten Subtypengruppen unterscheiden sich tendenziell anhand des Biomarkers der Cortisolstressantwort. Mehr hierzu im Beitrag AD(H)S-Subtypen – Die unterschiedlichen Arten – ADHS, ADS und andere.

Höhere reaktive Aggressionstendenz bei AD(H)S “als Folge einer veränderten Wahrnehmung”.

Dietrich beschreibt bei AD(H)S-Betroffenen eine höhere Aggressionstendenz (auch bei Betroffenen, die nicht an einer komorbiden ODD oder Verhaltensstörung leiden).26 Aggressivität entsteht bei AD(H)S-Betroffenen häufig aus einer Fehleinschätzung der Situationen, wonach sie sich (subjektiv “zu recht”) verteidigen. AD(H)S-Betroffene zeigen also eine reaktive (heiße) und keine proaktive (kalte) Aggressivität.27 Diese Ansicht teilen wir vollständig. Siehe hierzu “Aggression als Stresssymptom”.

Dietrich sieht dies als Folge eines übersteigerten Autonomiebedürfnisses, was bei ADHS in Form einer unangemessen aggressiven Abwehr von Verletzungen dieser Autonomie und bei ADS in Form einer unangemessen starken Kooperation mit den Eltern erfolge, um eine mögliche Auseinandersetzung zu vermeiden.26 Die Ansicht, dass AD(H)S eine Folge eines übersteigerten Autonomiebedürfnisses sei, teilen wir nur bedingt. Wir sehen eher einen Zusammenhang mit Rejection Sensitivity.

In Bezug auf das übermäßig konfliktscheue Verhalten von AD(H)S-Betroffenen scheint eine Konfliktvermeidung durch Rejection Sensitivity gut erklärbar.
Rejection Sensitivity – Angst vor Zurückweisung und Kritik als spezifisches AD(H)S-Symptom.
Nach unserem Eindruck dient diese jedoch nicht primär einer Autonomieverteidigung im Sinne einer motivgetriebenen (bewussten oder unbewussten) Reaktion, sondern ist die Folge einer inneren Blockade bei zu vielen Reizen und Möglichkeiten (die als Stress wahrgenommen werden) in Form einer neurophysiologische Folge eines überhöhten Noradrenalinspiegels, der den PFC deaktiviert.
Nach den Daten unseres ADxS-Symptomtests (Stand Juni 2020, n = 1889) korreliert Rejection Sensitivity am stärksten mit Frustrationsintoleranz (0,56) sowie Aggression und Ungeduld (je 0,53). In den DSM-/ICD-/Wender-Utah-Skalen korreliert Rejection Sensitivity am stärksten mit der Wender-Utah-Skala von emotionaler Dysregulation (0,47).

10.3.2.2. Aggression als Stresssymptom

Aggression ist ein häufiges Symptom bei Stress.1824

Stress verändert das Muster der Wahrnehmung. Die Verhaltenssteuerung des Individuums steht bei schwerem Stress unter dem Leitbild, dass das Überleben akut bedroht ist. Bei AD(H)S sind nach diesseitiger Ansicht die Schwellwerte der Stresssysteme so verändert, dass sie viel zu häufig aktiviert und wieder abgeschaltet werden (ADS) oder dauerhaft aktiviert bleiben (ADHS). Selbst wenn kein akuter Stressor existiert, der eine unkontrollierbare (existenzbedrohende) Bedrohung bewirken könnte, sind die für diese Bedrohungen gedachten Stresssysteme aktiv.
Stress wird von Menschen mit einer externalisierenden Stressantwort unbewusst als Bedrohung wahrgenommen. Auf Bedrohung reagieren Menschen mit einer externalisierenden Stressantwort häufiger aggressiv als andere.

Wir sind der Ansicht, dass alle typischen AD(H)S-Symptome typische Stresssymptome sind, dass aber nicht alle typischen Stresssymptome zugleich AD(H)S-Symptome sind.

10.4. Emotionale Überreagibilität

Spürbare Probleme bei der Bewältigung von “Alltagsstressoren”, die zu dem allgegenwärtigen Gefühl führen, überfordert zu sein.13
Die emptionale Überintensität ist allerdings nicht nur auf eine erhöhte Stressempfindlichkeit beschränkt, Zu dieser siehe weiter unten.

10.5. Frustrationsintoleranz

Frustrationsintoleranz ist ein anerkanntes AD(H)S-Symptom bei Kindern, das bei Erwachsenen eher als verschlechtere Selbstkontrolle auffalle.28 Die Daten des ADxS-Symptomtests (Stand Juni 2020, n = 1889) zeigen dagegen gleichbleibend hohe (eher sogar steigende) Werte der Frustrationsintoleranz bei Erwachsenen in den 10-Jahres-Altersgruppen von 20 bis 60.
Stimulanzien verbessern durch ihre unmittelbar dopaminerge Wirkung auf den Nucleus accumbens die Symptomatik. Kinder mit AD(H)S zeigen bei frustrierenden, stressauslösenden Aufgaben emotional intensivere Reaktionen und eine verringerte Kompetenz im Umgang mit Wut.222930

Die Auswertung von knapp 2000 Datensätzen des ADxS.org-Symptomtests zeigte, dass Frustrationsintoleranz deutlich stärker mit ADHS als mit ADS korreliert.

10.5.1. Frustrationsintoleranz als Stresssymptom

Frustrationsintoleranz ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts.25 Burnouts resultieren regelmäßig aus einer zu langen zu hohen Belastung und damit aus einer nicht bewältigbaren Stresssituation.

10.6. Selbstwahrnehmungsstörungen

10.6.1. Selbstwahrnehmungsstörungen als AD(H)S-Symptom

Selbstwahrnehmungsstörungen werden als häufiges Symptom bei AD(H)S beschrieben.3132

AD(H)S-Betroffene haben häufig nicht nur eine verringerte Achtsamkeit, sondern auch eine massive Abneigung gegen Achtsamkeitstechniken aller Art, wie Yoga, Meditation, Achtsamkeitstraining (MBSR) oder ähnlichem.

10.6.2. Erscheinungsformen von Selbstwahrnehmungsstörungen bei AD(H)S

10.6.2.1. Alexithymie (verringerte Gefühlswahrnehmung)

Alexithymie ist die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen.

In der Extremform fehlt den Betroffenen jede emotionale Wahrnehmung. Übelkeit und Magenschmerzen werden als rein körperliche Symptome gedeutet, nicht jedoch als mögliche Angst. Wie bei Psychopathie (der Unfähigkeit, Emotionen anderer wahrzunehmen) erfolgt dies ohne jede Absicht.
In der Extremform der komplett fehlenden Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, ist Alexithymie recht selten. Betroffene der Extremform werden von anderen als eiskalt wahrgenommen und ihr Verhalten löst in anderen sehr schnell Aggression und Ablehnung aus.

Die bei AD(H)S häufig auftretende (leichte) Verringerung der Wahrnehmung der eigenen Emotionen dürfte in aller Regel keine “echte” Alexithymie im Sinne einer tatsächlich beeinträchtigten sensorischen Fähigkeit der Gefühlswahrnehmung an sich darstellen, sondern lediglich eine durch eine ständige gedankliche Beschäftigung verursachte Überlagerung oder Verdrängung der emotionalen Wahrnehmung in Form eines Abwehrmechanismus.
Entsprechend dem unter Empathie dargestellten Mechanismus vermuten wir eine funktionale sensorische Gefühlswahrnehmungsfähigkeit bei einer gleichzeitig bestehenden Verarbeitungsproblematik.

Alexithymie scheint bei ADHS häufiger zu sein als bei ADS. AD(H)S-betroffene Kinder zeigten auf den TSST eine um so abgeflachtere Cortisolantwort, je stärker sie psychopathische Merkmale (gefühllose, emotionslose Reaktionen / callous unemotional traits = CU-Traits) wie mangelnde Empathie, Gefühlskälte etc. zeigten.33 Weitere Studien fanden bei AD(H)S ebenfalls erhöhte Werte von callous unemotional traits, die mit erhöhten psychopathischen Merkmalen einhergingen, ohne jedoch den pathologischen Bereich einer Psychopathie zu erreichen.3435 Weiter wurde eine enge Verbindung zwischen callous unemotional traits und Impulsivität bei AD(H)S36 sowie mit Reizbarkeit und Aggression37 beschrieben.

10.6.2.2. Anhedonie (verringerte Freudewahrnehmung)

Anhedonie ist eine Beeinträchtigung oder Unfähigkeit, Freude oder Vergnügen an normalerweise schönen oder angenehmen Situationen zu empfinden.

Nach den Daten aus dem ADxS.org-Symptomtest nehmen AD(H)S-Betroffene negative Gefühle deutlich stärker wahr als positive Gefühle. Die Daten zeigen eine solche Tendenz auch bei Nichtbetroffenen, doch ist dieses Phänomen bei AD(H)S-Betroffenen erheblich ausgeprägter.

Anhedonie ist ein Kernmerkmal von Depression und beschreibt dort eine Verringerung der Anzahl und Stärke positiver und freudiger Reaktionen.
Beim Überlebensschuld-Syndrom (eine PTBS-Form) wird als Anhedonie die überdauernde Unfähigkeit bezeichnet, Zerstreuungen zu genießen. Letzteres erinnert stark an das beim ADHS-Subtyp typische Symptom der Erholungs- und Genussunfähigkeit. Das Symptom der Anhedonie bei AD(H)S korreliert indes deutlich stärker mit dem Subtyp ADS als mit den hyperaktiven ADHS-Subtypen.
Anhedonie wird bei weiteren Störungsbildern wie Schizophrenie (Negativsymptomatik), schizoiden, schizotypischen, ängstlich-vermeidenden oder dissozialen Persönlichkeitsstörungen, Psychosen, Suchterkrankungen und Psychosomatosen beobachtet.

Es wird vermutet, dass eine Alexithymie stets eine Anhedonie auslöst, während eine Anhedonie eine Alexithymie auslösen kann, jedoch nicht muss..38 Jedenfalls scheint eine Korrelation zwischen Anhedonie und Alexithymie bei psychischen Störungen zu bestehen.39

10.6.2.3. Innere Leere (bei Inaktivität) / Langeweile

AD(H)S-Betroffene beschreiben häufig, von Langeweile und innerer Leere geplagt zu sein. Langeweile kann ein originäres AD(H)S-Symptom sein und wird bei AD(H)S soll durch MPH-Medikation verringert werden.40

Innere Leere und Langeweile könnten sich möglicherweise schlüssig als Folge der massiv einbrechenden Aktivierung des frontalen Kortex bei Inaktivität erklären lassen.

Um diesen Mechanismus zu verstehen hilft ein Blick auf das Phänomen des Hyperfokus.

AD(H)S unterliegt einer Abwertung entfernterer Belohnungen (Reward Discounting): Belohnungen, die weiter entfernt sind, sind für AD(H)S-Betroffene weniger interessant als für Nichtbetroffene. Daher sind AD(H)S-Betroffene nur bei sofort verfügbaren Belohnungen genauso motivierbar wie Nichtbetroffene. Dies ist der Gegeneffekt der Hyperfokussierung: AD(H)S-Betroffene können sich sehr wohl auf etwas konzentrieren, wenn sie einmal mit einer Tätigkeit begonnen haben, die ihnen Befriedigung verschafft, weil die dann sofort eingehende Belohnung das Verstärkungszentrum aktiv erhält. Dieses Interesse ist allerdings aufgrund der geringeren Anzahl von Dopamin D2- und D3-Rezeptoren im Striatum deutlich schwerer zu erreichen.41
Dieses latente Desinteresse bei mangelnder Belohnung währen der Ausführung uninteressanter Tätigkeiten und die beeinträchtigte Fähigkeit, selbst eine interessante Tätigkeit zu beginnen (nur die Aufrechterhaltung einer begonnenen interessanten Tätigkeit wird durch entsprechende Dopaminausschüttung gefördert) könnte dem Symptom der Inneren Leere (bei Inaktivität) entsprechen, das von vielen AD(H)S-Betroffenen geschildert wird. Das Gefühl der Inneren Leere und Dysphorie bei Inaktivität scheinen eng zusammen zu gehören.

10.6.2.4. Überschätzung der eigenen sozialen Kompetenzen

Dieses Symptom ist nicht so gravierend, als dass es für AD(H)S als tragend bezeichnet werden könnte.

In einer Testgruppe von n = 82 Mädchen von 9-12 Jahren überschätzten die n = 42 AD(H)S-Betroffenen ihre sozialen Kompetenzen im Vergleich zu Fremdbeurteilungen (Lehrer, Eltern und Drittbeobachtern) deutlich mehr als Nichtbetroffene. Trat oppositionelles Trotzverhalten hinzu, verstärkte sich dies noch weiter, ebenso bei verringerter Depressionssymptomatik. Die Selbstüberschätzung korrelierte nur bei den AD(H)S-Betroffenen mit der Tendenz der Betroffenen, Antworten in Richtung Sozialer Erwünschtheit zu verzerren (socially desirable reporting bias). Bei AD(H)S-Betroffenen war die Selbstüberschätzung sozialer Kompetenz an das Maß der Unausgeglichenheit gekoppelt. Mit zunehmender Ausgeglichenheit nahm die Selbstüberschätzung ab, während es dagegen bei Nichtbetroffenen mit Ausgeglichenheit zunahm.

Wir interpretieren dies, insbesondere aufgrund des Bias in Richtung sozialer Erwünschtheit, als eine Auswirkung der AD(H)S-typischen Rejection Sensitivity.

10.6.2.5. Jetzt ist immer

Wer das jetzt und hier nicht positiv wahrnehmen kann, für den ist “Jetzt ist immer” Ausdruck eines Schmerzzustands.

Wir nehmen bei AD(H)S-Betroffenen eine Art zeitliche Digitalisierung wahr. Fühlt sich etwas im Moment schlecht an, wird dies so interpretiert, als wäre das nun für immer und ewig und alle Zeiten so, also gäbe es keinen Ausweg mehr.
Es könnte ein wenig mit dem bei Borderline oft stark vertretenen Schwarz-Weiß-Denken vergleichbar sein: Alles oder Nichts, jetzt ist sofort, es gibt kein Grau, es gibt kein nachher oder später.

10.6.2.6. Erhöhte subjektive Stresswahrnehmung bei AD(H)S

Zusätzlich zu den AD(H)S-typischen Symptom, die zugleich Stresssymptome darstellen, ist bei AD(H)S die subjektive Wahrnehmung von Stress erhöht. Auf den selben physiologischen (messbaren) erlittenen Stress erfolgt eine höhere (subjektive) Stresswahrnehmung als bei Nichtbetroffenen.
Eine erhöhte Stresswahrnehmung könnte eine Folge einer erhöhten “Jetzt ist Immer” Wahrnehmung sein. Wenn ein Stresszustand zugleich als niemals endend wahrgenommen wird, kann dies einer verringerte Wahrnehmung von Kontrolle und eine erhöhte Wahrnehmung von Hilflosigkeit (und in der Folge von Hoffnungslosigkeit) bewirken, was bekanntlich stark stresserhöhende Faktoren sind.
Siehe hierzu unten sowie unterSubjektive Stressreaktion bei AD(H)S erhöht

10.6.3. Selbstwahrnehmungsstörungen als Stresssymptome

Selbstwahrnehmungsstörungen sind ein typisches Symptom von schwerem Stress. Es tritt eine verschlechterte Eigenwahrnehmung auf, die bis zur Erholungsunfähigkeit führen kann.

10.6.3.1. Alexithymie als Stresssymptom

Alexithymie (verringerte Gefühlswahrnehmung) kann ein Symptom und eine Folge von Stress sein:

  • Verringerte Wahrnehmung der eigenen Gefühle42
  • Vermeiden von Gefühlen (Coolness)43
  • Geringe emotionale Selbststeuerung und Spontaneität der Gefühle44
  • Gefühlsverflachung (bei bestehen bleibender Kränkbarkeit) ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts25
10.6.3.2. Anhedonie als Stresssymptom

Anhedonie kann durch Stress ausgelöst werden (Stress-induzierte Anhedonie).4546

In Tierversuchen zeigte sich, dass der MAO-A-Inhibitor Moclobemid die Entwicklung von Anhedonie unter Stress vermeiden47 und dass das SSRI Escitalopram stressinduzierte Anhedonie verringern konnte, wobei Escitalopram das dabei verringerte Gen-Expressions-Niveau für BDNF im Hippocampus, nicht aber das verringerte Gen-Expressions-Niveau des D2-Rezeptor-Gens im Striatum normalisierte.48

10.7. Selbstwertprobleme

AD(H)S-Betroffene haben ausgeprägte Selbstwertprobleme.49
Eine umfassende Darstellung zu Selbstwertproblemen bei AD(H)S findet sich bei adhspedia.de.50
Die Stärke der AD(H)S-Symptome korreliert mit Selbstwert, Lebenszufriedenheit und Depressionsmerkmalen.
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen51

  • ADHS-Symptomen
    (ermittelt mit ADHS-Screening für Erwachsene [ADHS-E])
  • einer herabgesetzten Lebenszufriedenheit
    (ermittelt mit der Satisfaction With Life Scale [SWLS]; vgl. Diener, Emmons, Larsen & Griffin, 1985) und
  • dem Anstieg der Ausprägung von Depressionssymptomen
    (ermittelt mit dem Depressionsmodul des Patient-Health-Questionnaire [PHQ-9]; vgl. Kroenke, Spitzer & Williams, 2001)

Bei einer Kombination von ADHS und Störung des Sozialverhaltens (Conduct Disorder, CD) oder aggressivem Verhalten oder oppositionellem Trotzverhalten (ODD) ist das Selbstwertgefühl signifikant geringer als bei ADHS allein oder Nichtbetroffenen.52

AD(H)S-Behandlung (Medikamentöse wie nichtmedikamentöse Behandlung) verbessert den Selbstwert und das Sozialverhalten.53

10.7.1. Kränkbarkeit und Angst vor Zurückweisung (Rejection Sensitivity)

Für Rejection Sensitivity sind kennzeichnend:

  • Kränkbarkeit
  • ängstliche Erwartung von Ablehnung
  • bereitwillige Entgegennahme von Ablehnung und
  • intensive Reaktion auf (tatsächliche oder vermeintliche) Ablehnung

Bei Rejection Sensitivity (RS), die bei etlichen psychischen Störungen bekannt ist, besteht keine allgemeine Kritikunfähigkeit oder narzisstische Neigung, sondern eine besondere Empfindlichkeit im Sinne einer Angst vor Zurückweisung oder Zurücksetzung.
Nahezu jeder von uns befragte AD(H)S-Betroffene berichtete eine Rejection Sensitivity. Ebenso wurde nahezu übereinstimmend berichtet, dass dieses Symptom durch Stimulanzien (während der Wirkzeit) verbessert wurde. Dodson berichtet von unmittelbarer Wirkung von Clonidin und Guanfacin.
Dass AD(H)S-betroffene Kinder auf Strafen empfindlicher reagierten als Nichtbetroffene,54 könnte ein Ausdruck von RS sein.

Rejection Sensitivity könnte als unmittelbarer Ausdruck einer unsicheren Bindung verstanden werden. Unsichere Bindung ist als Risikofaktor für AD(H)S bekannt. Mehr hierzu unter Bindungsstile im Kapitel Prävention.

Rejection Sensitivity korreliert nach dem ADxS.org-Symptomtest (Stand Jun 2020, n = 1889) vornehmlich mit Frustrationsintoleranz (0,56) sowie Ungeduld und Aggression (je 0,53). Die Korrelation zu externalisierender Stressphänotypik (0,42) (ADHS) ist deutlich ausgeprägter als zu internalisierender Stressphänotypik (0,26) (ADS). Dies deckt sich damit, dass Rejection Sensitivity grundsätzlich eher mit hypocortisolergen Zuständen wie atypischer Depression korreliert.55 Rejection Sensitivity korrelierte weiter mit einer abgeflachten Alpha-Amylase-Stressantwort sowie negativeren Affekten bei gesunden Jugendlichen.56

Wir betrachten Rejection Sensitivity als originäres neurophysiologisches Symptom von AD(H)S.
Rejection Sensitivity – Angst vor Zurückweisung und Kritik als spezifisches AD(H)S-Symptom

10.7.1.1. Rejection Sensitivity / Kränkbarkeit und Stress

Eine erhöhte Kränkbarkeit ist ein typisches Symptom für den Endzustand eines Burnouts25 und einer atypischen Depression.57 Dass Burnout aus einer zu langen zu hohen Belastung und damit aus einer nicht bewältigbaren Stresssituation resultieren kann, ist gesichert.
Weitere Beschreibungen von Kränkbarkeit / Rejection Sensitivity als unmittelbares Stresssymptom konnten wir bislang nicht finden. Dagegen deuten Untersuchungen darauf hin, dass Rejection Sensitivity einen erheblichen Einfluss auf empfundenen Stress hat.585960 Schizophrenie-Betroffene, die sehr besorgt darüber sind, von Nachbarn oder Arbeitskollegen abgelehnt zu werden, erschienen als anfälliger dafür, Stigmatisierung als Stressor wahrzunehmen.61
Stress scheint ein Mediator zu sein, der Rejection Sensitvity und Depression verbindet.62

10.7.2. Tend and Befriend

Das gegenteilige Stresssymptom zu Rejection Sensitivity ist eine besondere Annäherung an andere. Dieses Verhalten ist bei Frauen deutlich ausgeprägter als bei Männern und stellt eine weitere Verhaltensalternative zu fight, flight oder freeze dar.
Der biobehaviorale Mechanismus des tend-and-befriend-Mechanismus ist vermutlich im Bindungs-Versorgungssystem verankert. Neuroendokrine Befunde legen nahe, dass Oxytocin in Verbindung mit weiblichen Fortpflanzungshormonen und endogenen Opioid-Peptidmechanismen an endokrinologischen Korrelaten beteiligt sein könnten.63

10.7.3. Perfektionismus als AD(H)S-Symptom

Perfektionismus wird von AD(H)S-Betroffenen häufig als Symptom beschrieben.

AD(H)S-Betroffene leiden aufgrund ihrer Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit und Konzentrationsprobleme häufig an einer beeinträchtigten Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus scheint die Selbstwahrnehmung von AD(H)S-Betroffenen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit oft erheblich negativer als es der Realität angemessen wäre. Dieses Symptom einer (über die tatsächlich bestehenden Leistungsbeeinträchtigung hinausgehenden) eingebildeten Minderleistung könnte Folge eines bei AD(H)S durchaus häufig anzutreffenden dysfunktionalen perfektionistischen Anspruchs sein.

10.7.3.1. Erscheinungsformen von Perfektionismus

Funktionaler (in einem gesunden Maße bestehender) Perfektionismus deckt sich stark mit Gewissenhaftigkeit. Dysfunktionaler (übermäßiger) Perfektionismus korreliert mit Neurotizismus. Perfektionismus kann sich in einem (übermäßigen) Anstreben von Vollkommenheit (als Annäherungsziel) und/oder in einem (übermäßigen) Streben nach Fehlervermeidung (als Vermeidungsziel) äußern.

Symptome von dysfunktionalem Perfektionismus:

  • Übergroßes Gefühl, Minderleister zu sein
  • sich selbst für faul halten, obwohl dies objektiv nicht gerechtfertigt ist
  • Handlungen werden übertrieben ausgeführt, um Fehler sicher auszuschließen
    (weniger AD(H)S-typisch, tritt zuweilen als Copingmechanismus auf)
    • viel zu früh auf den Weg machen, um nicht zu spät zu kommen, trotz bekannter Strecke
    • Extrem aufgeräumte Wohnung (reduziert zudem die Ablenkbarkeit durch Reizminimierung)
  • Exzessives Kontrollieren
    • mehrfache Kontrolle eigener und fremder Handlungen zur Absicherung vor Fehlern
  • Wiederholen und Verbessern
    • Wiederholung von Handlungen bis perfektes Ergebnis erreicht ist (weniger AD(H)S-typisch)
    • Verbessern anderer, wenn Ergebnis nicht optimal
  • Intensives Planen und Organisieren
    • Faible für (Check-)Listen / To-Do-Listen
  • Entscheidungsprobleme
    • Angst davor, die nicht optimale Wahl / Entscheidung zu treffen
  • Schwierigkeiten, Projekte zu beenden
    • Bearbeitung nicht abschließen können, weil Ergebnis noch nicht perfekt genug scheint
    • Vermeidung der Aufnahme / Fortführung von Tätigkeiten
      • bei denen Ergebnis nicht perfekt sein könnte
      • bei denen Ziel nicht erreicht werden könnte
  • Probleme, Aufgaben zu delegieren
    • lieber selbst machen, damit Ergebnis optimal wird.

Dysfunktionaler Perfektionismus kann Ausdruck einer erhöhten Angst sein, fremden Ansprüchen nicht zu genügen. Dieses Symptom erinnert damit an Rejection Sensitivity, die eine Wahrnehmungsverschiebung in Richtung einer erhöhten Angst vor vermeintliche oder tatsächlicher Ablehnung durch Dritte besteht.

Es gibt auch andere Störungsbilder mit einer fehlerhaften Eigenwahrnehmung, z.B. Magersucht, die eine Körperschemastörung beinhaltet.
Magersucht wird mit Abweichungen in ventralen und dorsalen Gehirnbereichen (unter anderem Insula und Striatum) sowie mit Abweichungen im Serotonin und Dopaminhaushalt in Verbindung gebracht.64
Das Striatum sowie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin sind auch in die Entstehung von AD(H)S-Symptomen involviert. Gleichwohl ist Magersucht eher selten eine Komorbidität von AD(H)S.

10.7.3.2. Perfektionismus und Stress

Perfektionismus scheint die Stressreaktion auf einen bestehenden Stressor zu moderieren.65

10.7.4. Selbstwertprobleme als Stresssymptome

Selbstwertprobleme sind typische Symptome von schwerem Stress.6644
Niedriger Selbstwert korreliert häufig mit

  • Selbsthass
  • suizidalen Tendenz
  • Schuld und Scham

Dies gilt ebenso für Lustlosigkeit,1819 die man als Äquivalent der Dysphorie bei Inaktivität betrachten könnte und dem Gefühl, deprimiert zu sein.1819

Insbesondere eine als unkontrollierbar wahrgenommene Bedrohung des Selbstwertes triggert eine Cortisolausschüttung.6768

Minderwertigkeits- und Versagensgefühle sind typische Symptome für den Endzustand eines Burnouts.69

10.8. Ängstlichkeit

10.8.1. Erhöhte Ängstlichkeit als AD(H)S-Symptom

AD(H)S geht häufig mit einer erhöhten Ängstlichkeit einher.7071

Angst/Ängstlichkeit soll nach manchen anderen Stimmen kein originäres AD(H)S-Symptom sein. Dies ist insofern fraglich, da Angst/Ängstlichkeit ein durch das Stresshormon CRH unmittelbar vermitteltes Symptom ist (gespritztes CRH erhöht die Ängstlichkeit). Bei AD(H)S besteht zumindest eine hohe Komorbidität zu Angststörungen, die bei 34% der AD(H)S-Betroffenen auftreten.

10.8.2. Katastrophisieren

Viele Betroffene berichten davon, gedanklich häufig die schlimmsten Annahmen zu treffen. Die einschlägigen Foren behandeln dieses Thema intensiv.
Die Fachliteratur hat dies bislang nicht als spezifisches AD(H)S-Symptom erörtert.

Wenn die Gedanken sich häufig um worst-case-Szenarien drehen, hat dies in einer überlebensbedrohlichen Situation den Vorteil, besser auf verschiedene gefährliche Alternativen vorbereitet zu sein.

Angstsymptomatik bei AD(H)S steht im Spannungsverhältnis zu einer bei AD(H)S häufig erhöhten Risikobereitschaft. Die Daten des ADxS.org-Symptomtests zeigen, dass Angstsymptomatik bei AD(H)S vor allem mit Rejection Sensitivity und Selbstwertproblemen korreliert. Weiter korreliert Angst mit dem ADS-Subtyp deutlich stärker ist als mit den ADHS-Subtypen, wobei dieses Ungleichgewicht nicht so ausgeprägt ist wie bei der Risikobereitschaft, die noch deutlicher mit den ADHS-Subtypen und noch weniger mit den ADS-Subtypen korreliert. (n = 1889, Stand Juni 2020).

10.8.3. Erhöhte Ängstlichkeit als Stresssymptom

Angst/Ängstlichkeit ist ein Stresssymptom.1972

Verstärkte Ängstlichkeit, erhöhte Furchtkonditionierbarkeit sowie erhöhte Vorsicht in unbekannten Umgebungen, im Offenfeld, im elevated plus maze und bei Konflikten sind eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.7374

Ängstlichkeit hängt vom Stressphänotyp ab. Ängstlichkeit wird vornehmlich bei Menschen beobachtet, die Stress internalisieren (ADS). Wollte man derartige Symptome, die lediglich bei bestimmten Stressphänotypen auftreten, nicht als originäre AD(H)S-Stresssymptome betrachten, müsste Hyperaktivität als spezifisches Stresssymptom des externalisierenden Stressphänotyps ebenso aus dem Kanon ausscheiden.

10.9. Erhöhte Risikobereitschaft als AD(H)S-Symptom

Eine Untersuchung berichtet deutlich erhöhtes Risikoverhalten von AD(H)S-Betroffenen.75

Eine umfangreiche Untersuchung an 2.434 Arbeitern im Iran fand eine Risikoverteilung von:

  • sehr geringes Risiko (65.6%)
  • niedriges Risiko (27.8%)
  • moderates Risiko (4.1%)
  • hohes Risiko (2.5%)

AD(H)S erhöhte die Wahrscheinlichkeit, der Gruppe mit moderatem oder hohem Risikoverhalten anzugehören um das 3,4 und 3,1-fache. Eine Angststörung erhöhte das Risiko um das 2,1 und das 2-fache., jeweils im Vergleich zur Wahrscheinlichkeit, der Gruppe mit dem niedrigsten Risiko anzugehören.76

Nach anderen Quelle gebe es keine sicheren Belege für eine erhöhte Risikobereitschaft von AD(H)S-Betroffenen.7778

Manche AD(H)S-Betroffene betreiben gerne Risikosportarten (Drachenfliegen, Bungee-Jumping, Moto-Cross, Mountainbiken).79 Möglicherweise könnte die dafür erforderliche oder dadurch ausgelöste Konzentration wie ein Hyperfokus wirken.
Erhöhte Risikobereitschaft scheint mit spontanen und impulsiven Entscheidungen zu korrelieren. Hiergegen könnte allerdings die oben genannte erhöhte Risikobereitschaft von Menschen mit Angststörungen sprechen.

Erhöhte Risikobereitschaft bei AD(H)S steht im Spannungsverhältnis zu einer bei AD(H)S häufig erhöhten Angst. Die Daten des ADxS.org-Symptomtests zeigen, dass eine erhöhte Risikobereitschaft vor allem mit Impulsivität und den ADHS-Subtypen korreliert während mit dem Symptom Angst keine Korrelation besteht (Stand Juni 2020, n = 1889).

10.9.1. Erhöhte Risikobereitschaft als Stresssymptom

Erhöhte Risikobereitschaft ist ein Stresssymptom.80 Diese erhöhte Risikobereitschaft endete 40 bis 80 Minuten nach Ende der Stresssituation und verringerte sich dann sogar unter das Niveau von nicht gestressten Personen.81

Eine erhöhte Risikobereitschaft soll ein Stresssymptom bei Menschen sein, die eine robuste Cortisolerhöhung auf einen akuten Stressor zeigen. Junge Männer ohne eine deutliche Cortisolantwort auf einen Stressor zeigten keine erhöhte Risikobereitschaft. Dies kann so gedeutet werden, dass die Stressreaktion der Risikobereitschaftserhöhung nur bei denjenigen Menschen auftritt, die auf Stress mit einem Cortisolanstieg reagieren, oder dahingehend, dass die Probanden, bei denen kein Cortisolanstieg auf den TSST gemessen wurde, auf diesen nicht mit Stress reagierten.82

10.10. Novelty Seeking / Sensation Seeking

Novelty Seeking (Cloninger) ist ein psychologisches Konstrukt innerhalb eines Konzepts zur Persönlichkeitsdiagnostik, während Sensation-Seeking (Zuckerman) ein physiologisches Konstrukt ist. Die Begriffe werden teilweise (unrichtig) synonym verwendet. Ob die Konstrukte unterschiedliche Phänomene beschreiben, ist offen. Neurophysiologische Daten deuten auf eine Übereinstimmung hin.8384

Novelty Seeking ist zusammen mit

  • Harm Avoidance und
  • Reward Dependence

Teil eines Konzeptes zur Beschreibung von Persönlichkeiten und Persönlichkeitsstörungen.85

Sensation Seeking wird definiert als86

  • Suche nach
    • vielfältigen, neuartigen, komplexen und intensiven Empfindungen und Erfahrungen
  • Bereitschaft zu
    • körperliche, soziale, rechtliche und finanzielle Risiken um solcher Erfahrungen

Sensation Seeking besteht aus 4 Unterkonstrukten mit unterschiedlichen Affinitäten:87

  • Thrill and adventure seeking (TAS)
    • Körperlich riskante Aktivitäten
  • Experience seeking (ES)
    • Neue Erlebnisse und Erfahrungen, persönliche Entwicklung, unkonventioneller Lebensstil (Reisen, Musik, Drogen, Selbsterfahrung, fremde Kulturen, kognitive, sensorische oder emotionale Stimulationen)
  • Disinhibition seeking (DIS)
    • Abwechslung durch soziale Stimulation (Party, Promiskuität, soziales Trinken).
    • Disinhibition = wörtlich: Enthemmung
  • Boredom susceptibility, (BS)
    • Abneigung gegenüber Routine und Langeweile
      und
    • Neigung zur Unruhe, wenn die Umwelt keine Abwechslung mehr bietet
    • Boredom susceptibility = wörtlich: Anfälligkeit für Langeweile

Novelty seeking soll mit Impulsivität verknüpft sein. Nach den Daten des ADxS.org-Symptomtests (Stand Juni 2020, n = 1.889) korrelierte Novelty Seeking am stärksten mit Innerer Unruhe (0,42), Ungeduld (0,39), Impulsivität (0,38), Frustrationsintoleranz (0,36), Erholungsunfähigkeit (0,34) sowie Hyperaktivität (0,31). Damit korrelierte es mit typischen ADHS-Subtypen-Symptomen stärker als mit Aufmerksamkeitsproblemen (0,31) und Belohnungsaufschubproblemen (0,31). Dies deckt sich mit den Ergebnissen weiterer Untersuchungen.8889

Novelty Seeking könnte auch für Betroffene typisch sein, die ein niedriges Arousal haben, bzw. ein höheres Arousal für eine optimale Leistungsfähigkeit benötigen.
Dieser Zusammenhang ließe sich mit dem unter Innere Leere beschriebenen Ansatz ebenfalls schlüssig erklären: Es bedarf starker neuer Reize, damit das Belohnungszentrum anspringt und Interesse für etwas geweckt wird. Die bei kortikaler Inaktivität aufgrund des dadurch entstehenden Absinkens des Dopaminspiegels entstehende Dysphorie wird als unangenehm wahrgenommen und soll vermieden werden. Intensive neue Reize und hohe Risiken führen zu einer Art willentlich hervorgerufenem Hyperfokus.
Wir kennen etliche Betroffene, die ihre Dysphorie bei Inaktivität dadurch vermeiden, dass sie immer aktiv bleiben, z.B. einen Aktivurlaub einem “faulen” Badeurlaub vorziehen.

Reward Discounting soll nur bei konditionierten Reizen entstehen, da eine konditionierte Ergebniserwartung erforderlich sei. Bei neuen Reizen wäre das unangenehme Desinteresse, das aus der Belohnungsverzögerung entsteht, nicht möglich.

Novelty seeking wird mit der Genvariante DRD4-7R assoziiert, die ein Kandidaten-Gen für AD(H)S ist.

10.11. Empfindlichere Reaktion auf Strafen

AD(H)S-betroffene Kinder reagierten auf Strafen empfindlicher als Nichtbetroffene.54

10.12. Stressintoleranz / empfindlichere Reaktion auf Stress

AD(H)S-Betroffene empfinden Stress intensiver.9091

Siehe hierzu unterSubjektive Stressreaktion bei AD(H)S erhöht

Wir halten Stressintoleranz für ein zentrales Symptom von AD(H)S. Wir vermuten, AD(H)S mit einer dauerhaften Schädigung der Stressregulationssysteme (vornehmlich der HPA-Achse) einhergeht. Dis besagt nicht, dass AD(H)S eine kausale Folge davon wäre; vermutlich vermittelt AD(H)S jedoch etliche Symptome über Störungen der Stressreaktionssysteme.
AD(H)S als chronifizierte Stressregulationsstörung AD(H)S-Symptome sind Stresssymptome Stressschäden – Auswirkungen von langanhaltendem Stress

Die dieser Sicht zu Grunde liegenden Erkenntnisse aus der Stressforschung wurden erstmals in den 1990er Jahren verstanden und haben sich in den letzten Jahren immer deutlicher herauskristallisiert und verdichtet. Zum Verständnis, wie weit reichend diese Erkenntnisse sind und wie sehr sie nicht nur die Behandlung von psychischen Störungen, sondern vor allem die Prophylaxe hierfür noch verändern werden, empfehlen wir die deutschsprachigen Standardwerke zur Stressmedizin


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Diese Seite wurde am 17.04.2022 zuletzt aktualisiert.