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3. Impulsivität / Inhibitionsprobleme bei AD(H)S

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3. Impulsivität / Inhibitionsprobleme bei AD(H)S

Impulsivität wird allgemein definiert als spontane Reaktionen auf innere Impulse oder äußere Reize, ohne Abwägung selbst naheliegender Konsequenzen. Das Verhalten wird von Dritten als situationsunangemessen, unkontrolliert oder unbedacht wahrgenommen. Eine zu hohe Impulsivität wird als Störung der Impulskontrolle (Inhibition) bezeichnet. Impulsivität hat Vorteile in bestimmten Lebenssituationen, in denen schnelle Fokussierung und schnelle Entscheidungen erforderlich sind und scheint primär dopaminerg gesteuert zu sein.1

3.1. Impulskontrollprobleme / Inhibitionsprobleme als AD(H)S-Symptome

Zu den neurophysiologischen Ursachen von Impulsivitäts- und Inhibitionsproblemen Die neurophysiologischen Korrelate von Inhibitions- und Impulskontrollproblemen.

3.1.1. Erscheinungsformen von Inhibitionsproblemen bei Kindern

  • platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist (DSM IV/5)
  • unterbricht und stört andere häufig (platzt z.B. in Gespräche oder Spiele anderer hinein) (DSM IV/5)
  • kann nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist (DSM IV/5)
    Nur schwer warten zu können, bis man an der Reihe ist, betrachten wir nicht nur als Impulsivitätsproblem, sondern zugleich als Problem der Aversion gegen Inaktivität.

3.1.2. Erscheinungsformen von Inhibitionsproblemen bei Erwachsenen

  • spontane, unüberlegte Entscheidungen
    Dies ist eines der 9 treffsichersten Symptome von AD(H)S bei Erwachsenen,2 findet sich jedoch auch bei akut (hypo)manischen Betroffenen oder manchen Achse II Problemen.
    • Spontankäufe
      • Etwas kaufen, ohne es zu benötigen
      • Etwas kaufen, ohne Reflektion, ob das Geld dafür reicht
    • spontane Annahme / Kündigung eines Jobs
    • spontaner Beginn / spontane Beendigung einer Beziehung
    • Unbekümmertheit in gefährlichen Situationen Ob dies tatsächlich ein Inhibitionsproblem ist, oder nicht eher eine Frage der Aufmerksamkeitslenkung, ist offen. Bei AD(H)S folgt nach diesseitigem Verständnis die Lenkung der Aufmerksamkeit dem Diktat der Stressmaxime, dass eine (überlebens-)bedrohende, unkontrollierbare Gefahr bestehe. Dies kann zu deutlich abweichenden Beurteilungen darüber führen, was gefährlich ist und was nicht.
  • überbordende Ideen müssen schnell mitgeteilt werden, bevor sie drohen vergessen zu werden3
  • überhöhte Handybenutzung korreliert mit Impulsivität4 und betraf 20,1% der teilnehmenden studentischen Probanden.
    • Überhöhte Handybenutzung korrelierte weiter mit höheren Werten an
      • Alkoholkonsum
      • sexueller Aktivität
      • PTSD/PTBS
      • Angststörungen
      • Depressionen
  • Impulsivität bei AD(H)S und erhöhter BMI teilen sich genetische und neurophysiologische Korrelate5
  • Sprechweise wird von Umgebung häufig als aggressiv erlebt

Impulsivität alleine ist kein zwingender Hinweis auf AD(H)S. In einer Untersuchung impulsiver Probanden mit und ohne AD(H)S zeigten AD(H)S-Betroffene einen stärkeren Mangel an zwischenmenschlicher Interaktion, unentschlossenere Entscheidungen und geringere motorische Fähigkeiten als die nicht-AD(H)S-Probanden mit und ohne Impulsivität. Impulsivität ohne AD(H)S zeigte gute motorische Fähigkeiten, gute soziale 1:1-Interaktionen, gute Entscheidungsfindung bei Aufgaben der räumlichen Orientierung und eine vielseitigere Lateralität in den unteren Gliedmaßen.6

3.2. Impulskontrollprobleme als Stresssymptome

Als typische Stresssymptome sind bekannt:

  • Impulsivität7
  • riskantere Entscheidungen8
  • Entscheidungsfimdungsprobleme7910

  1. Toschi, Hervig, Moazen, Parker, Dalley, Gether, Robbins (2021): Adaptive aspects of impulsivity and interactions with effects of catecholaminergic agents in the 5-choice serial reaction time task: implications for ADHD. Psychopharmacology (Berl). 2021 Jun 9. doi: 10.1007/s00213-021-05883-y. PMID: 34104987.

  2. Barkley, Benton (2010): Das große Handbuch für Erwachsene mit ADH, Seite 22

  3. Krause, Krause (2014): ADHS im Erwachsenenalter, S. 61

  4. Grant, Lust, Chamberlain (2019): Problematic smartphone use associated with greater alcohol consumption, mental health issues, poorer academic performance, and impulsivity. J Behav Addict. 2019 Jun 1;8(2):335-342. doi: 10.1556/2006.8.2019.32. n = 3.425

  5. Barker, Ing, Biondo, Jia, Pingault, Du Rietz, Zhang, Ruggeri, Banaschewski, Hohmann, Bokde, Bromberg, Büchel, Quinlan, Sonuga-Barke, Bowling, Desrivières, Flor, Frouin, Garavan, Asherson, Gowland, Heinz, Ittermann, Martinot, Martinot, Nees, Papadopoulos-Orfanos, Poustka, Smolka, Vetter, Walter, Whelan, Schumann, IMAGEN Consortium (2019): Do ADHD-impulsivity and BMI have shared polygenic and neural correlates? Mol Psychiatry. 2019 Jun 21. doi: 10.1038/s41380-019-0444-y.

  6. Prat, Andueza, Echávarri, Camerino, Fernandes, Castañer (2019): A Mixed Methods Design to Detect Adolescent and Young Adults’ Impulsiveness on Decision-Making and Motor Performance. Front Psychol. 2019 May 24;10:1072. doi: 10.3389/fpsyg.2019.01072. eCollection 2019.

  7. Buhusi, Olsen, Yang, Buhusi (2016): Stress-Induced Executive Dysfunction in GDNF-Deficient Mice, A Mouse Model of Parkinsonism. Front Behav Neurosci. 2016 Jun 21;10:114. doi: 10.3389/fnbeh.2016.00114. eCollection 2016

  8. Wang, Li, Sawmiller, Fan, Ma, Tan, Ren, Li (2013): Chronic mild stress-induced changes of risk assessment behaviors in mice are prevented by chronic treatment with fluoxetine but not diazepam. Pharmacol Biochem Behav. 2014 Jan;116:116-28. doi: 10.1016/j.pbb.2013.11.028

  9. Dias-Ferreira, Sousa, Melo, Morgado, Mesquita, Cerqueira, Costa, Sousa (2009): Chronic stress causes frontostriatal reorganization and affects decision-making. Science. 2009 Jul 31;325(5940):621-5. doi: 10.1126/science.1171203

  10. George, Koob (2010): Individual Differences in Prefrontal Cortex Function and the Transition from Drug Use to Drug Dependence; Neurosci Biobehav Rev. 2010 Nov; 35(2): 232–247; doi: 10.1016/j.neubiorev.2010.05.002; PMCID: PMC2955797; NIHMSID: NIHMS212204

Diese Seite wurde am 21.02.2022 zuletzt aktualisiert.