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20. Regulationsprobleme bei AD(H)S

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20. Regulationsprobleme bei AD(H)S

Etliche AD(H)S-Symptome werden auch als Regulationsprobleme beschrieben.
Regulationsprobleme sind daher kein eigenes, zusätzliches Symptom von AD(H)S, sondern beschreiben einen Mechanismus, der bei verschiedenen Symptomen auftritt.

Aufmerksamkeitsprobleme bei AD(H)S wechseln zwischen einer erhöhten Ablenkbarkeit und einer erhöhten Schwierigkeit, den Aufmerksamkeitsfokus zu wechseln, wenn dies erforderlich ist. Während die Aufmerksamkeitsfähigkeit an sich nicht beeinträchtigt ist, besteht ein deutliches Problem darin, dass die Regulierung der Aufmerksamkeit einem anderen Regime, Modus, Profil unterliegt: Die Aufmerksamkeitslenkung unterliegt stärker einer Lenkung durch persönlich als relevant empfundene Reize, während extrinsische Anforderungen schwerer beantwortet werden können als bei Nichtbetroffenen.

Wahrnehmungsprobleme verbinden die bei AD(H)S nahezu immanente erhöhte Sensibilität mit einem häufig gleichzeitig bestehenden partiellen Empathiedefizit, das ein Abwehrmechanismus gegen Überforderung und Reizüberflutung sein kann.

Beispiele für Symptompaare, die durch Regulationsprobleme verbunden sein könnten:

  • Stimmungsschwankungen
    Der Wechsel zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt
  • Prokrastination / Ungeduld
    Das möglichst lange Aufschieben von uninteressanten oder angstbesetzten Tätigkeiten gegenüber der AD(H)S-typischen Ungeduld
  • Antriebslosigkeit / Aversion gegen Inaktivität
  • Impulsivität / Entscheidungsprobleme

Daneben gibt es Symptome, die möglicherweise eher kausale Folge sein könnten, als durch Regulationsprobleme untereinander verknüpft zu sein:

  • Selbstwertprobleme gehen häufig mit einem dysfunktionalen Perfektionismus einher. Dies dürfte indes kein Regulationsproblem, sondern eher kausale Folge der Selbstwertprobleme sein.
  • erhöhte Sensibilität / Gefühls- und Empathieschwäche
    Gefühlsarmut (unechte Alexithymie) könnte eine Reaktion oder Abwehrmechanismus gegen die sensibilitätsbedingte Reizüberflutung sein

Manche Symptompaare sind eher den typischen Stressreaktionsphänotypen von ADHS und ADS zuzuordnen, als dass es sich um Regulationsprobleme handelt.

  • Eine erhöhte Ängstlichkeit (bei ADS) und eine erhöhte Risikobereitschaft (bei ADHS) scheinen kein Symptompaar zu sein, das durch Regulationsprobleme verknüpft ist. Diese Symptome scheinen eher den jeweiligen Stressphänotypen ADHS (als externalisierender Stressreaktionsphänotyp) und ADS (als internalisierender Stressreaktionsphänotyp) zuzuordnen zu sein. Allerdings soll eine Angststörung offenbar auch die Wahrscheinlichkeit eines erhöhten Risikoverhaltens erhöhen, was allerdings die Daten des ADxS.org-Symptomtests nicht bestätigten (siehe oben).
  • Gleiches dürfte für impulsive Einmischung in Konversationen anderer (ADHS) versus sozialem Rückzug (ADS) gelten.
Diese Seite wurde am 16.01.2022 zuletzt aktualisiert.