Liebe Leserinnen und Leser von ADxS.org, bitte verzeihen Sie die Störung.

ADxS.org benötigt in 2022 rund 12.500 €. In 2021 erhielten wir Zuwendungen Dritter von 5.043,56 €. Leider spenden 99,7 % unserer Leser nicht. Wenn alle, die diese Bitte lesen, einen kleinen Beitrag leisten, wäre unsere Spendenkampagne für das Jahr 2022 nach einigen Tagen vorbei. Dieser Spendenaufruf wird 3.000 Mal in der Woche angezeigt, jedoch nur 10 Menschen spenden. Wenn Sie ADxS.org nützlich finden, nehmen Sie sich bitte eine Minute Zeit und unterstützen Sie ADxS.org mit Ihrer Spende. Vielen Dank!

Seit dem 01.06.2021 wird ADxS.org durch den gemeinnützigen ADxS e.V. getragen. Spenden an den ADxS e.V. sind steuerlich absetzbar (bis 100 € genügt der Überweisungsträger als Spendenquittung).

100€ von 12.500€ - Stand 08.01.2022
0%
Header Image
Neurotransmitter bei AD(H)S

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis ausklappen
Inhaltsverzeichnis einklappen
Das Projekt ADxS.org
Symptome
Folgen
Neurologische Aspekte
CRH
Behandlung und Therapie
Änderungshistorie
Suche

Neurotransmitter bei AD(H)S

Die Botenstoffe im Gehirn, die Informationen an chemischen Synapsen zwischen Nerven übertragen, heißen Neurotransmitter. Beispiele sind Dopamin, Noradrenalin, Serotonin, Acetylcholin, GABA und Glutamat. Die unterschiedlichen Neurotransmitter haben verschiedene Aufgaben im Gehirn und überlappen sich in ihrer Wirkung.

Neurotransmitter bewirken durch ihre Ausschüttung an den Synapsen eine schnelle Reizweiterleitung bzw. -blockade zwischen Neuronen (Nervenzellen). Andere Botenstoffe, die Hormone, vermitteln ihre Wirkung langsam über die Blutbahn an weiter entfernte Zielorgane (z.B. Cortisol, Estradiol, Insulin, Testosteron, Thyroxin, Triiodthyronin). Manche Stoffe wirken zugleich als Neurotransmitter als auch als Hormone (z.B. Noradrenalin, Serotonin, Histamin).

1. Nervenzellen (Neuronen)

Eine Nervenzelle besteht aus dem Zellkörper und bis zu 200.000 verbindenden Ausläufern zu anderen Nervenzellen. Sendende Verbindungen heißen Axone, empfangende Ausläufer Dendriten. Axone können bis zu 1 Meter lang sein (z.B. von Nervenzellen im Rückenmark zu Muskelzellen in den Fingerspitzen).

Empfängt ein Neuron Signale von anderen Nervenzellen, die stärker sind als ein bestimmter Schwellenwert, wird das Neuron aktiviert. Es feuert einen elektrischen Impuls (das Aktionspotenzial) mit bis zu 120 Meter / Sekunde über das Axon zur Synapse. Je dicker das Axon, und je besser von Gliazellen (im Gehirn Oligodentrozyten, peripher Schwannzellen) ummantelt (myelinisiert), desto schneller ist die elektrische Weiterleitung.

2. Informationsfluss durch Neurotransmitter

Neurotransmitter werden in den Nervenzellen gebildet und, in Vesikel eingeschlossen, vor allem durch die Mikrotubuli über die Axone in den Nervenfasern bis zu den Synapsen transportiert. Die Transportgeschwindigkeit in den Axonen ist je nach Substanz unterschiedlich und beträgt bis zu 5 µm/Sekunde = ca. 40 cm / Tag.1

Elektrische Impulse der sendenden Zelle setzen an der Präsynapse (der sendenden Synapse) Neurotransmitter aus Vesikeln (Vorratsbehälter für Neurotransmitter) frei. Die Vesikel geben den Neurotransmitter in den synaptischen Spalt, der zwischen 20 und 40 nm breit ist2, aus dem er auf der anderen Seite, vom Beginn des empfangenden Nervs (der Postsynapse) mittels Rezeptoren aufgenommen wird, indem der Neurotransmitter an ihnen andockt (Schlüssel-Schloss-Prinzip).

Nervenzellen können bis zu 500-mal/Sekunde feuern. Ist eine ausreichende Menge der für einen Neurotransmitter vorhandenen Rezeptoren besetzt, entstehen in der Empfängerzelle an der Postsynapse viele postsynaptische Potenziale, die sich summieren. Überschreitet das Aktionspotenzial den erforderlichen Schwellwert, wird ein elektrischer Impuls ausgelöst, der vom Axon der empfangenden Nervenzelle weitertransportiert wird.

Danach wird der kostbare Neurotransmitter von den Rezeptoren wieder in den synaptischen Spalt zurückgegeben und von dort aus durch Transporter der Präsynapse wieder in die sendende Zelle aufgenommen. Das ist jene Wiederaufnahme, die durch Medikamente gehemmt werden kann. Der wiederaufgenommene Neurotransmitter wird in den Vesikeln für die nächste Verwendung eingelagert oder durch abbauende Enzyme verstoffwechselt (z.B. Dopamin und Noradrenalin durch Monoaminoxidase und COMT).

Neurotransmitter geben nicht entweder nur aktivierende oder inhibierende (hemmende) Informationen weiter. Dopamin und Serotonin sind zwar überwiegend bei der Weitergabe inhibierender Informationen beteiligt. Doch bei Dopamin sind die D1 und D5 Rezeptoren aktivierend (exzitatorisch) wirksam (sie aktivieren das Enzym Adenylylcyclase), während die D2, D3 und D4 Rezeptoren inhibierend sind (sie hemmen das Enzym Adenylylcyclase).

Eine optimale Informationsübertragung zwischen Gehirnsynapsen erfordert einen optimalen Pegel der beteiligten Neurotransmitter. Ein zu geringer Neurotransmitterspiegel führt zu nahezu identischen Folgen der Signalübertragungsstörung wie ein zu hoher Neurotransmitterspiegel (Reversed-U-Theorie).34

3. Neurotransmitter bei AD(H)S

Bei AD(H)S ist die Informationsübertragung im Gehirn vornehmlich in Bezug auf die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin beeinträchtigt.

Dopamin und Noradrenalin sind auch an Stressreaktionen beteiligt.
Akuter Stress erhöht den Dopamin- und Noradrenalinspiegel im PFC.5 Entscheidend ist jedoch, um welche Art von Stress es sich handelt.6 Chronischer Stress kann mit einer Verringerung des Dopamin- und Noradrenalinspiegels einhergehen.

Vor dem Hintergrund, dass Dopamin und andere Neurotransmitter bei AD(H)S und Stress nicht global im gesamten Gehirn erhöht oder erniedrigt sind, erscheinen die noch heute erörterten Forschungsansätze,7 die das Gesamtdopaminniveau im Urin messen, nicht mehr unbedingt zielführend.

Stimulanzien und Atomoxetin erhöhen den Dopaminspiegel im PFC und Striatum. Eine Überdosierung kann dazu führen, dass der Dopaminspiegel genauso weit vom Optimum entfernt ist wie zuvor. Deshalb ist eine sehr langsame Aufdosierung sinnvoll.

Das Zusammenspiel zwischen Neurotransmittern und Stress und die Auswirkungen von optimalen, überhöhten und verringerten Neurotransmitterspiegeln erläutern wir ausführlich unter Neurotransmitter bei Stress.

Zu den einzelnen Neurotransmittern siehe die folgenden Unterkapitel:

Eine vertiefende und immer noch übersichtliche Darstellung der Neurotransmittersysteme findet sich bei Hinghofer-Szalkay.8

Diese Seite wurde am 12.01.2022 zuletzt aktualisiert.