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Hyperaktivität ist ein häufiges Symptom von ADHS, aber nicht alle ADHS-Betroffenen sind hyperaktiv.
Bei Kindern äußert sich Hyperaktivität durch ständiges Zappeln, Aufstehen oder Herumlaufen.
Bei Erwachsenen nimmt die Hyperaktivität ab, aber es können immer noch Bewegungsunruhe und bestimmte Verhaltensweisen wie Fingertrommeln, Fußwippen oder Nägelkauen auftreten. Die motorische Hyperaktivität kann sich im Laufe der Zeit verringern, während innere Unruhe bestehen bleibt oder nun sichtbarer wird. Es wird diskutiert, ob innere Unruhe ein separates Symptom ist und ob es mit Antriebsproblemen zusammenhängt.
Männer mit wie ohne ADHS zeigen im Quantified Behavioral Test eine höhere provozierte Hyperaktivität als Frauen. Männer wie Frauen mit SDHS haben eine verdoppelte basale und eine verdreifachte provozierte Hyperaktivität im Vergleich zu Nichtbetroffenen.1
Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen mit ADHS in gleichem Maße unter Hyperaktivität leiden wie Männer, was die Annahme einer geschlechtsabhängigen Ausprägung der Hyperaktivität in Frage stellt. Dies könnte zu genaueren und rechtzeitigen Diagnosen führen und die mit ADHS verbundenen Belastungen und Komorbiditäten bei Frauen verringern.
Hyperaktivität und innere Unruhe sind zugleich Stresssymptome. Stresshormone wie CRH können eine Bewegungsunruhe verursachen. Grobmotorische Probleme wie Ungeschicklichkeit und Koordinationsprobleme sind häufig bei ADHS-HI und ADHS-C. Feinmotorische Probleme wie eine schlechte Handschrift und Schwierigkeiten bei feinmotorischen Aufgaben können ebenfalls auftreten. Es ist unklar, ob feinmotorische Probleme durch ADHS-Medikation verbessert werden können.
Die Daten des ADxS.org-Symptomtests zeigten, dass die motorische Hyperaktivität im Alter abnahm, während innere Unruhe und Aufmerksamkeitsprobleme weiterhin bestehen blieben.
Während sich die Erkenntnis, dass Aufmerksamkeitsprobleme bei ADHS primär ein motivationales Problem darstellen (mangelnde Selbstmotivierbarkeit), da intrinsisch interessante Themen die Aufmerksamkeit wecken können, während intrinsisch nicht interessante Themen Aufmerksamkeitsprobleme verursachen, ist weitgehend unbekannt, dass dies auch auf motorische Unruhe zutrifft. Ein Zeitraffervideo, das einen Betroffenen bei der Beobachtung eines intrinsisch interessierenden und eines intrinsisch nicht interessierenden Videos zeigt, verdeutlicht, dass auch Hyperaktivitätsprobleme motivational verursacht sind.
Motorische Hyperaktivität ist ein sehr häufiges Symptom von ADHS. Hyperaktivität ist jedoch kein zwingendes Symptom von ADHS. Es gibt ADHS-Betroffene, die sehr an ihren Symptomen leiden, die weder als Kind hypermotorisch noch als Erwachsene voll innerer Unruhe waren / sind.
1.1.1. Motorische Hyperaktivität als ADHS-Symptom¶
Eine motorische Überaktivität ist ein Charakteristikum von ADHS-HI und ADHS-C. Beim Subtyp ADHS-I (überwiegende Aufmerksamkeitsprobleme) ist Hyperaktivität schwächer ausgeprägt.2
Hyperaktivität lässt in der Adoleszenz häufig nach. Die Fachliteratur beschreibt, dass sich Hyperaktivität bei Erwachsenen meist in eine Form innerer Unruhe umwandele. Dies wird zu diskutieren sein.
Das Zappeln und ständige Bewegen könnte als innere Korrektur der Vigilanz (innere Grundspannung) und des zu niedrigen Dopaminspiegels verstanden werden. Bewegung erhöht den Dopaminspiegel.34 Zappel-Betroffene, die gezwungen werden, stillzusitzen, geben (noch) häufiger falsche Antworten, als wenn sie sich bewegen dürfen.3 Ebenso erhöht Sport vor der Schule (zum Ausreagieren der motorischen Unruhe) die Lernerfolge.3
1.1.2. Erscheinungsformen von motorischer Hyperaktivität¶
bei Kleinkindern:
ausgedehnte kindliche Trotzphase
ggf mit übermäßigen veritablen, echten Wutanfällen
bei Kindern:
ständiges Zappeln mit Händen und Füßen oder Herumrutschen auf dem Stuhl (DSM IV/5)
steht in der Klasse und anderen Situationen, in denen Sitzen bleiben erwartet wird, häufig auf (DSM IV/5)
läuft häufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben) (DSM IV/5)
hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen (DSM IV/5)
ist häufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wäre er/sie „getrieben“ (DSM IV/5)
redet häufig übermäßig viel (DSM IV/5; in ICD-10 als Impulsivitätsmerkmal gewertet). Sprechdurchfall ist auch bei manchen Erwachsenen noch festzustellen
bei Erwachsenen:
Hyperaktivität (äußerlich/körperlich) lässt bei Erwachsenen bis zu 60 % nach5
körperliche Unruhe bei Erwachsenen ggf. nur noch in geringerem Maß
Fusswippen mit hoher Frequenz (oder Impuls dazu, der bewusst unterdrückt wird)6
Fingertrommeln (oder Impuls dazu, der bewusst unterdrückt wird)6
Beine verknoten / um Stuhlbein schlingen, um Bewegung zu begrenzen7
1.1.3. Altersbedingtes Nachlassen von motorischer Hyperaktivität¶
Die Daten des ADxS.org-Symptomtests zeigen folgende Veränderungen in den Altersgruppen:
Altersgruppe
motorische Hyperaktivität
Innere Unruhe
Aufmerksamkeitsprobleme
5- 9 Jahre (n = 9)
0,70
0,80
0,75
10 – 14 Jahre (n = 15)
0,72
0,68
0,83
15 – 19 Jahre (n = 48)
0,45
0,62
0,81
20 – 29 Jahre (n = 373)
0,49
0,70
0,81
30 – 39 Jahre (n = 492)
0,49
0,74
0,83
40 – 49 Jahre (n = 301)
0,46
0,74
0,78
50 – 59 Jahre (n = 158)
0,46
0,72
0,80
60 – 75 Jahre (n = 32)
0,42
0,74
0,72
Männer (n = 630)
0,52
0,73
0,81
Frauen (n = 823)
0,45
0,72
0,80
Stand Juni 2020. Die angegebenen Werte geben die Stärke der Symptome relativ zueinander wieder. Limitierungen der Aussagekraft:
Es sind wenige Datensätze mit Probanden unter 20 Jahren und deutlich zu wenige Datensätze mit Probanden unter 10 Jahren für eine belastbare Aussage vorhanden.
Es erfolgte keine Trennung nach ADHS-I und ADHS-HI, sodass das (zufällige) Verhältnis von ADHS-I zur ADHS-HI bei kleinen Gruppengrößen die Daten verzerren kann.
Es wurden lediglich die Datensätze ausgewertet, bei denen der Symptomtest Hinweise auf ein bestehendes ADHS fand.
Es handelt sich um einen nicht validierten Online-Selbsttest (Screening).
Die Daten lassen sich in Bezug auf die These diskutieren, dass Aufmerksamkeitsprobleme bei Kindern bis 15 Jahren noch nicht vollständig ausgeprägt sind und dass motorische Hyperaktivität im Erwachsenenalter nachlässt. Sie deuten jedoch darauf hin, dass sich Hyperaktivität nicht in Innere Unruhe umwandelt, sondern dass Innere Unruhe auch bei Kindern besteht und sich lediglich weniger stark zurückbildet als Hyperaktivität. Nach der Rückbildung der motorischen Hyperaktivität scheint die Innere Unruhe lediglich besser sichtbar zu werden.
Die innere Unruhe könnte man als den “kleinen Bruder” der Hyperaktivität bezeichnen.
Innere Unruhe als eigenständiges Symptom neben Hyperaktivität?
Eine interessante Überlegung ist, ob die nach den Daten möglicherweise bereits bei Kindern bestehende Innere Unruhe aufgrund der Tatsache, dass diese sich anders als Hyperaktivität nicht oder nur wenig zurückzubilden scheint, darauf hinweisen könnte, dass Innere Unruhe ein von Innerer Unruhe / Innerem Getriebensein abzugrenzendes Symptom darstellen könnte.
Vom ursprünglichen (möglichen) Nutzen der Stresssymptome aus gedacht (ursprünglich = bevor die Menschen sesshaft wurden), könnte es hilfreich gewesen sein, wenn Kinder in einer Gefahrensituation eine erhöhte Bewegungsbereitschaft entwickeln, damit sie in Gefahrensituationen zusammen mit der Gruppe besser fliehen können. Erwachsene profitieren von einer Hyperaktivität weniger, denn sie sind es, die die Stressoren bekämpfen müssen. Beim Kampf gegen Stressoren ist ein erhöhter Bewegungsdrang nicht mehr so wichtig wie bei Kindern (die zum Kampf gegen die Stressoren wenig beisteuern können), dagegen tritt in den Vordergrund, alles zu tun, um den Stressor zu bekämpfen und keine Ruhe zu geben, bis die Gefahr bewältigt ist.
Eine Parallele hierzu ist, dass Aufmerksamkeitsprobleme bei Erwachsenen ebenfalls deutlich abnehmen oder sogar ganz remittieren können (wenn auch seltener bzw. schwächer als Hyperaktivität und Impulsivität),8 ohne dass bei diesen ein Wandel in ein anderes Symptombild beschrieben würde. Unsere Daten zeigen jedoch allenfalls nur eine sehr schwache Abnahme von Aufmerksamkeitsproblemen bei Erwachsenen.
Zweifelhaft ist, ob Innere Unruhe / Inneres Getriebensein möglicherweise eher unter eine Überschrift “Antriebsprobleme” passen und dort den Gegenpart zu Antriebslosigkeit darstellen könnte, so wie Ablenkbarkeit (zu leichtes Wechseln des Aufmerksamkeitsfokus) und Taskwechselprobleme / Hyperfokus (erschwertes Wechseln des Aufmerksamkeitsfokus) innerhalb des Überbegriffs “Aufmerksamkeitsprobleme” Gegenparts bilden. Dagegen spricht, dass Antriebslosigkeit stark mit ADHS-I und weniger mit ADHS-HI korreliert, während Ablenkbarkeit und Taskwechselprobleme mit ADHS-HI und ADHS-I gleichermaßen korrelieren.
Hyperaktivität, Zappeligkeit ist bei schwerem Stress als typisches Symptom bekannt, ebenso, dass sich bei Stress die Gedanken auf den Stressor konzentrieren (Gedankenkreisen, Rumination).
Stresssymptome aus dem Hyperaktivitäts-Formenkreis sind:
Unruhe910
Innere Unruhe ist ein typisches Symptom für den nahenden Endzustand eines Burnouts.11
Das Stresshormon CRH, das in der ersten Stufe der HPA-Achse durch den Hypothalamus ausgeschüttet wird, vermittelt unmittelbar einen Bewegungsdrang. Eine erhöhte lokomotorische Aktivität ist eine unmittelbare Wirkung des Stresshormons CRH.1516171410
Symptome, die durch Stresshormone selbst unmittelbar vermittelt werden, können gleichwohl auch ADHS-spezifischen Symptome sein. Chronischer Stress wie ADHS vermitteln ihre Symptome durch Dopamin- und Noradrenalinmangel im Gehirn.
Grobmotorikprobleme sind ein Symptom von ADHS.18192021 Sie bestehen bereits bei Kleinkindern22 und korrelieren bei Kindern mit Schlafproblemen.23 Mehr als die Hälfte der ADHS-Betroffenen soll grob- und feinmotorische Probleme haben.24
Grobmotorische und feinmotorische Störungen sollten von motorischer Hyperaktivität getrennt betrachtet werden.
Erscheinungsformen:
Ungeschicklichkeit
häufig anstoßen/hängen bleiben
viele Unfälle (Ungeschick trifft auf Hektik)
häufige Verletzungen (insb. ADHS-HI)
blaue Flecken
Koordinationsprobleme (Dyskoordination)
z.B. Rad fahren lernen erst mit 6 Jahren
z.B. Schwierigkeiten beim Gleichgewicht halten oder beim Einbeinstand25
Schwierigkeiten der Kraftdosierung
Die ersten Daten aus dem ADxS.org-Online-Symptomtest (Stand Oktober 2018) deuten darauf hin, dass grobmotorische Probleme bei ADHS-HI mit Hyperaktivität weitaus häufiger auftreten als beim ADHS-I-Subtyp. Untersuchungen belegen den Zusammenhang zwischen grobmotorischen Problemen und Hyperaktivität/Impulsivität.26
Möglicherweise tragen motorische Probleme in Form von Defiziten in der zwischenmenschlichen (automatischen) (motorischen) Synchronisation zur Entwicklung von sozialen Problemen bei. Zwischenmenschliche Synchronisation erfordert eine gute motorische Steuerung und ist auch bei der Entwicklung von Mutter-Kind-Beziehungen wichtig.27
Zwischenmenschliche Synchronisation spielt eine wichtige Rolle beim Erwerb sozialer kognitiver Fähigkeiten in der Entwicklung.2829 Bei ADHS korreliert das Ausmaß der zwischenmenschlichen Synchronisation zwischen Mutter und Kind mit dem Grad der Funktionsfähigkeit von Vorschulkindern mit ADHS.30
Eine weiter Hypothese vermutet einen Zusammenhang zischen gestörter Augenkontrolle (Blickrichtungskontrolle und Blicksakkaden (Augenbewegungen)) und ADHS-Symptomen wie Aufmerksamkeitsproblemen und Impulsivität.31
Feinmotorikprobleme sind ein Symptom von ADHS.203233 Mehr als die Hälfte der ADHS-Betroffenen soll grob- und feinmotorische Probleme haben.24
Feinmotorische und grobmotorische Störungen sollten von motorischer Hyperaktivität getrennt betrachtet werden.
bei ADHS-HI und ADHS-I in etwa gleich häufig sein37
Laut einem Review sollen zwischen 28 % und 67 % der Betroffenen durch ADHS-Medikamente auch Verbesserungen ihrer Feinmotorik zeigen.24 Unserem Eindruck nach ist dies eher seltener.